Wir wollen eine Funktion an Löchern im Definitionsbereich oder am
Rand stetig ergänzen - so weit das möglich ist.
Wir betrachten dazu Punkte im Abschluss des Definitionsbereichs
(d. h.: Punkte , für die jede Umgebung von wenigstens einen
Punkt des Definitionsbereichs enthält)
- bei Punkten, die vom Definitionsbereich isoliert liegen, können wir
nicht erwarten, dass die Funktion sich eindeutig (stetig) fortsetzen
lässt!
Wir führen die folgenden Begriffe ein:
1.11.1. Definition.
Gegeben seien eine Funktion mit
Definitionsbereich und im Abschluss von
.
besitzt in den (beidseitigen) Grenzwert , wenn gilt:
Wir schreiben in diesem Fall
oder
.
besitzt in den rechtsseitigen Grenzwert , wenn gilt:
Wir schreiben in diesem Fall
oder .
besitzt in den linksseitigen Grenzwert , wenn gilt:
Wir schreiben in diesem Fall
oder .
Manchmal werden auch die Kurzschreibweisen
bzw.
benutzt.
Anschaulich ausgedrückt:
Beim rechtsseitigen Grenzwert suchen wir die Grenzlage von ,
wenn von rechts gegen strebt.
Selbst wenn sowohl ein rechts- als auch ein linksseitiger Grenzwert
existiert, braucht es keinen beidseitigen Grenzwert zu geben:
1.11.2. Beispiel.
Die Funktion
hat in die einseitigen Grenzwerte
und
.
1.11.3. Definition.
Analog zur bestimmten Divergenz von Folgen 1.4.10 betrachtet man
auch bestimmte Divergenz von Funktionen gegen oder gegen .
Wir erweitern die Begriffsbildung, um das Verhalten einer Funktion an
den Rändern „im Unendlichen“ zu beschreiben.
Wir müssen dabei sicherstellen, dass „ im Abschluss von liegt“.
1.11.4. Definition.
Es sei eine Funktion.
Ist nicht nach oben beschränkt, so besitzt in den
Grenzwert , wenn gilt
Wir schreiben dann
.
Ist nicht nach unten beschränkt, so besitzt in den
Grenzwert , wenn gilt
Wir schreiben dann
.
An den Rändern im Unendlichen kann man auch bestimmte Divergenz
betrachten:
Ist nicht nach oben beschränkt, so ist in bestimmt
divergent gegen , wenn gilt
Wir schreiben dann
.
Analog definiert man
bzw.
.
1.11.5. Beispiel.
Die Funktion
hat in und jeweils den Grenzwert
und
.
Das Verhalten bei = 0 wird beschrieben
durch
und
.
1.11.6. Beispiel.
Die Funktion
ist in und jeweils bestimmt divergent:
Das Verhalten bei = 0 wird beschrieben
durch
.
(Zur besseren Veranschaulichung ist die Winkelhalbierende
mit eingezeichnet.)